Biologie

 
 
Zu den Paarhufern und darin zu den Rinderartigen zählt auch die Gattung Bison - mit Hausrindern (Bos spp.) verwandt, aber eben eine andere Gattung. Vier Unterarten werden noch zu den Bisons gerechnet. Eine wird wohl ausgestorben sein, das Kaukasische Bergwisent (B. bonasus caucasicus). Einigermassen gesicherte Bestände gibt es von der zweiten europäischen Unterart, dem Flachlandwisent (B. bonasus bonasus) und den beiden nordamerikanischen Vertretern Waldbison (B. bison athabascae) und Präriebison (B. bison bison).
 
Gattung Bison
 
Art: bison      
Unterart   (Bison bison athabascae) Waldbison
Unterart   (Bison bison bison) Präriebison
 
Art: bonasus      
Unterart   (Bison bonasus bonasus) Flachlandwisent
Unterart   (Bison bonasus caucasicus) Bergwisent
 
Besonders der Präriebison, im Weiteren als Bison bezeichnet, gehört in der Klasse Wiederkäuer (Ruminantia) zum Typus der Graser, auf Grund seiner Anatomie hervorragend auf die Nutzung schwer verdaulicher Pflanzenbestandteile (Zellulose) der Gräser eingestellt.
 

Geschichte

 
 
In ihrem klassischen Lebensraum, der nordamerikanischen Grassteppe, konnten sich die Bisons nach Zuwanderung aus dem Eurasischen Raum so sehr ausbreiten, dass es vermutlich mehr Bisons gab als Menschen. Zwischen 34 und 120 Millionen dieser Tiere sollen den Raum bevölkert haben - je nach Literaturquelle. Realistisch erscheint die Anzahl von 60 Millionen Individuen. Berechnet man nämlich anhand der Fläche der Prärien die dort wachsenden Futterpflanzen, so kann man auf diese Anzahl rückschließen (carrying capacity). Gute Fruchtbarkeit, exzellente Anpassung an die natürlichen Gegebenheiten, kaum natürliche Feinde außer Hunger - so konnte es zu dieser Population kommen. Die Anpassung an die klimatischen Bedingungen ist schon sprichwörtlich, trockene, sehr heiße Sommer im Wechsel mit extrem kalten und schneereichen Wintern. So erfolgreich waren Bisons, dass sich viele Indianerstämme komplett in ihrem Leben auf die Herden einstellten - nicht nur das Fleisch nutzend, sondern über das Fell, Leder, Haare, Hörner, Knochen, Innereien den ganzen Tierkörper.

Bisons leben in großen Kuhherden mit ihrem Nachwuchs. Bei Erreichen der Geschlechtsreife verlassen die Bullen diese Gruppen und bilden zuerst kleinere Bullengesellschaften, bis sie schließlich zu Einzelgängern werden. Zu Paarungssaison stoßen die Bullen wieder zu den Kühen und bilden sich einen Harem, dies geht nicht ohne, mit viel Vehemenz ausgetragene Kämpfe ab. Neun Monate nach der spätsommerlichen Brunft werden im Mai, Juni die Kälber gesetzt, die für ca. 6 Monate ein helles Jungtierfell tragen, bis sie zum schwarz-dunkelbraunen Erwachsenenkleid wechseln.

Außer in der Brunft ist das Verhalten dieser Tiere auch dem natürlichen Vorkommen angepasst. Sie lassen sich eigentlich durch nichts aus der Ruhe bringen, ein Umstand, der zu der Ausrottung dieser Tierart beigetragen hat. Werden Bisons geschossen, reagieren die sich in der Nachbarschaft aufhaltenden Tiere kaum oder gar nicht. Ende des 19ten Jahrhunderts gab es weniger als 1.000 Bisons. Die Jagd begann mehr aus der Not denn aus der Tugend - die von den ersten Einwanderern mitgebrachten Hausrinder waren als Zuchttiere zu wertvoll für eine Schlachtung, so dass Bisons erlegt wurden zum Verzehr. Doch mit der Bildung der transkontinentalen Eisenbahnlinie wurden einem planmäßigen Vernichtungsfeldzug die Türen geöffnet. Den Prärieindianern sollte ihre Lebensgrundlage entzogen werden. Von den Bisons wurden zum Schluss nur noch die nach der Verwesung übergebliebenen Knochen eingesammelt und zu Düngemitteln zerrieben. Auch eingeschleppte Rinderseuchen aus Europa dezimierten die Bestände stark. Übrig blieben durchseuchte, gesunde Herden.
 
In New York wurde 1905 die American Bison Society gegründet unter der Federführung des Wildbiologen Dr. William T. Hornaday. 1908 beschloss der US Senat mit der Verfügung 6159 in Montana die National Bison Range zum Schutz der Tierart entstehen zu lassen. Nach mehreren Nationalparks und Wildschutzgebieten entstand 1914 der Custer State Park in Süd Dakota. Dieser Park ist heute noch für seine großen Bisonbestände berühmt. Bis heute werden dort in einem großen Roundup die Herden gesammelt und die Tiere ausgesondert, die auch an Privatleute im Rahmen einer Auktion als Zuchttiere verkauft werden. Die National Bison Association veröffentlichte 2006 aktuelle Zahlen das Bison betreffend. Danach gab es in den USA 232.000 Tiere in privater Haltung, 150.000 in Kanada und weitere 20.000 in staatlichen Schutzgebieten. 30.000 Tiere wurden in diesem Jahr geschlachtet und verwertet.